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Seminar in Bulgarien
Susanne Trucka-Benes
Aufgrund unserer Erfahrungen mit Jugendseminaren des Forum Ost (jetzt IRFF) wurde ich
gebeten, bei der Gestaltung eines solchen Seminares im August 2001 in Bulgarien mitzuwirken.
Also begab ich mich nach Sofia, von dort weiter nach Varna, in dessen Nähe das Seminar
stattfinden sollte, ohne eine präzise Vorstellung über Teilnehmer, Herkunft, Anzahl und
andere Bedingungen zu haben. Da es so aussah, als würde wirklich ein Jugendseminar
zustande kommen, arbeiteten der Veranstalter, Boyan Bashiyanov und ich, Susanne TB,
eineinhalb Tage lang fleißig an einem Programm. Dieses beinhaltete 7 Lektionen, die mir
wegen meiner bisherigen Erfahrung übertragen wurden. So arbeitete ich diese Lektionen aus,
was nicht so schwierig war, da ich auf mitgebrachtes Material zum Teil zurückgreifen konnte.
Trotzdem entstand dabei etwas neues und interessantes. Boyan begann, Arbeitsmaterial
vorzubereiten, und wir freuten uns schon auf das Seminar.
Aber, wie so oft, kam alles anders.....Aufgrund mangelnder Erfahrung auch beim Einladen der
Leute, übernahm diese Aufgabe letztendlich ein dort ansässiger, sehr engagierter Pastor, der
aber wiederum über Art und Inhalt des Seminars nicht genau Bescheid wusste.
Als wir am Abend in einem Ferienobjekt mit Bungalows (aber bitte sich nicht Bungalows
westlichen Standards vorzustellen!) ankamen und die Teilnehmer begrüßten, stellten wir fest,
dass eine Gruppe von etwa 5 Romafrauen im Alter von ca. 40 – 50 Jahren, eine Gruppe von
ca. 7 Jugendlichen aus wenig begüterten Romafamilien und auch zwei kleinere Kinder sowie
einige eher gebildete junge Leute anwesend waren. Meine stille Frage war: Würde ich mit
DIESEN Leuten DIESES Seminar durchführen können? Die Antwort war eindeutig: Nein.
Das war auch Boyan bewusst, dem schon der kalte Schweiß hinunterrann.....Er gestand mir,
dass er im ersten Moment befürchtete, ich würde Bulgarien sofort verlassen, um niemals
wiederzukehren! Das ließ aber mein Optimismus, mein Sinn für Aberteuer und
Herausforderungen (Neugier?) und auch meine Liebe zu Menschen generell, nicht zu.
Also machten wir ein Seminar für Menschen, die zum Teil sogar fluktuierten (einige gingen,
weil sie sich etwas anderes vorgestellt hatten, andere, weil sie plötzlich ein Arbeitangebot
erhielten – als jugendliche Taglöhner, andere wiederum kamen später.) Ich verwendete die
meisten der geplanten Themen, verringerte aber die Intensität der Inhalte, vereinfachte die
Sprache und versuchte, nicht so sehr den Verstand, sondern eher das Gefühl und das Herz
dieser Leute anzusprechen und zu gewinnen. Ich glaube sagen zu können, dass das gelungen
ist. Besonderes die Frauen vergossen viele Tränen, waren sehr berührt, insbesondere, als es
um "Vergebung" ging. Aber auch einige Buben hielten bis zum Schluß durch. Natürlich
hatten wir auch einige Freizeit, die wir zumeist am Meer verbrachten. Wegen des höheren
Preises (wir hatten mehr Erwachsene als die angekündigten Jugendlichen zu Gast) mussten
wir sogar einen Tag streichen, was sich aber als ganz zum geänderten Programm passend
erwies!
Es entstand auch, durch die Vermittlung des Pastors, Kontakt zu einem politischen Vertreter
und einem Vertreter für Menschenrechte für die dortige Roma-Bevölkerung. Ich wurde Gast
bei Roma-Familien, auch bei den ärmsten von allen, und es ergaben sich einige interessante
Gespräche – und vielleicht auch ein Projekt für IRFF.
So kann ich behaupten, dass das Seminar nicht DAS war, was wir geplant hatten, aber
keineswegs verlorene Liebesmüh, sondern ein unglaublich interessantes,
persönlichkeitserweiterndes Erlebnis mit positiven Auswirkungen für alle Seiten! Gelernt
haben wir alle dabei sehr viel, neue, wundervolle Beziehungen und Freundschaften
entstanden, die „alten" wurden vertieft, und ich freue mich schon auf meinen nächsten
Aufenthalt in Bulgarien!
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